Bike to Fly

Die etwas andere Art des Abstiegs

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Der Sigiswiler Grat hoch über dem Schweizer Thunersee lädt mit seinem flowigen Trail zum Biken ein. Das einzige Problem: Eine Felswand versperrt den Weg zum Weiterkommen. Um den Trail trotzdem fahren zu können, nimmt Patrick von Känel seinen Gleitschirm mit. Dank einer ausgeklügelten Konstruktion kann er inklusive Bike abheben, unterhalb der Felswand wieder einlanden und zurück vor die Haustüre unten am See  fahren. 

 

ADVANCE: Patrick, wie kommt man auf die Idee, Fliegen und Biken zu verbinden? Schon ein bisschen verrückt…

Die ursprüngliche Idee kam von meinem X-Alps Supporter Andy Jäggi. Er hat immer so coole Ideen. Lacht. Also warum nicht mal mit einem Bike zum Fliegen gehen? Ich habe bei schönem Wetter eh immer ein Entscheidungsproblem, was ich machen will, dann ist es umso cooler zwei Sportarten zu kombinieren.

...und dann bist du direkt bei dir zu Hause gestartet?

Ich bin extra nach Oberhofen am Thuner See gezogen. Das ist eine ziemlich privilegierte Lage. Da kannst du einfach alles direkt von der Haustür aus machen. Es gibt viele bekannte Trails zum Biken, das Niederhorn bei Interlaken bietet unendliche Flugmöglichkeiten und ich blicke direkt auf den See, so verpasse ich kein Wind fürs Kiten mehr. Daher starte ich für meine meisten Abenteuer direkt von zu Hause aus – klar, dass das bei der Bike & Fly Aktion auch so sein musste.

Wie bist du auf die Strecke gekommen?

Das war gar nicht so schwer. Der Sigiswiler Grat liegt direkt über meinem Wohnort und ist ziemlich markant. Da muss man einfach mal hoch. Die Ridge lädt richtig zum Biken ein, ein absoluter Traum. Leider kommt irgendwann eine Felswand, die nur mit dem Gleitschirm überwunden werden kann. Danach gibt es wieder perfekte, flowige Trails. Da kam mir die Idee mit dem Bike von Andy wieder in den Sinn. Am Anfang war ich mir nicht so sicher, wie ich Bike und Schirm verbinden soll. Und wo ich genau starten und landen will.

Wie hast du schlussendlich Bike und Schirm verbunden?

Mit vier Gleitschirmleinen, die ich selber gebastelt habe. Bis ich damit fertig war, vergingen einige Stunden. Ich habe zwei Leinen um das Sattelrohr gebunden, die anderen zwei am Lenker befestigt. Die Enden habe ich dann jeweils in die Hauptkarabiner gehängt. Es hat ziemlich lang gedauert, bis ich die Länge der Leinen richtig eingestellt hatte. Waren die Leinen zu lang, bin ich nicht mehr ans Pedal gekommen. Wenn sie zu kurz eingestellt sind, sitzt du während dem Flug auf dem Sattel. Das ist mega unangenehm. Am Ende waren alle vier Leinen unterschiedlich lang und das Bike trotzdem perfekt unter mir. Lacht.

Was war für dich die grösste Herausforderung? Starten? Landen? Oder ganz etwas anderes?

Das gesamte Projekt war schon anspruchsvoll. Es hat mich einige Nerven gekostet, bis ich das Bike am Gleitschirm befestigt hatte. Dann bin ich einige Male gestartet und wieder topgelandet, um sicher zu gehen, dass alles passt. Das Landen selber war eher weniger herausfordernd.

Vielen Dank Patrick für das Interview, wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Projekt. 

„Für mich war es ein richtig cooles Abenteuer, das mit Leidenschaft, Ausdauer und dank guter Freundschaft realisiert werden konnte. Schön auch, dass Jöschu das ganze mit der Kamera festgehalten und einen Film realisiert hat.“

Patrick von Känel

Die Ausrüstung

Über Patrick

Patrick von Känel

Patrick von Känel arbeitet als Testpilot bei ADVANCE. Zudem ist er erfolgreicher Wettkampf- und Streckenflugpilot. 2019 hat er als jüngster Teilnehmer die X-Alps bestritten und konnte Monaco als 8ter erreichen.

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