Der Traum vom Biwakfliegen in Indien. Doch die Zeit drängt, die Wolkenbasis ist tief, dazu ein Verhänger im Gleitschirm. Keine guten Voraussetzungen, doch ein bisschen Magie sorgt für einen unerwartet erfolgreichen Flug. Später stellt sich heraus, wer Erika und Bertram den Weg gewiesen hat.
Der Wind war die Tage immer weniger geworden
und so hievten wir uns mit unseren voll beladenen Gurtzeugen vorwärts raus, wo sich gleich mehrere Leinen hartnäckig um Bertrams C-Handles gelegt hatten. Keine allzu dramatische Situation, und doch war klar: wenn Bertram dadurch wertvolle Höhe verliert, schafft er den Einstieg in die Thermik nicht mehr.
Bir Billing - das Bassano Indiens. Im ruhigen November ein magischer Ort: Endlose Waldgrate, das Klima und die Menschen mit ihrem ganz eigenen Charme. Der Blick in die hohen abgelegenen Berge ist beeindruckend und beängstigend zugleich. Unsere Pläne waren weit von diesen entfernt. Wir wollten nur wenige Kilometer weiter wieder toplanden, um ein letztes Mal zu biwakieren - und doch lief es nicht ohne Hindernisse.
“Es soll wohl nicht sein”, ging es mir durch den Kopf. “Vielleicht besser so”, folgten die Zweifel. Toplanden birgt Risiko und Indien ist nicht der Ort, um auf eine rasche Rettungskette zu hoffen. Und doch war Enttäuschung da. Der Rückflug meines Kollegen war übermorgen. Die Basis hing nur
noch knapp oberhalb unseres anvisierten Biwakplatzes. Heute - jetzt - war schlichtweg die letzte Chance für diesen Flugtraum.
Während ich versuchte, die Situation zu akzeptieren, schnalzte Bertrams Flügel plötzlich auf und kurbelte wenig später bereits hoch! Soll es wohl doch sein!? Die Mogelei entlang der Basis begann, Bertram fand zielsicher jede Thermik. Schliesslich landeten wir bei perfektem Wind beide kurz hintereinander ein. Ich musste lange jubeln - aus Freude, aus Erleichterung, aus Dankbarkeit.
Was folgte, waren Wellen der Euphorie: Es ist niemand sonst hier?! Es gibt Holz für ein wärmendes Feuer! Diese Sterne! Das Lichtermeer im Tal! Wie unfassbar still es ist! Wie un-be-schreib-lich!
Wie viel Glück man haben kann? Mehr, als ich ahnte, denn Bertram hatte einen dieser einmaligen Flüge: Ein Geier hatte ihm von Anfang
an den Weg gewiesen.
Am Morgen blieb genügend Zeit, um in Ruhe zu malen und zu geniessen - und nach einem langen Gleitflug am Landeplatz dieses magische Erlebnis ausgiebig zu feiern.
Erikas Ausrüstung
Erika hat viele Faibles - vor allem für Kreatives, fürs Zuhören und für den Blick von oben. In ihrem Podcast “Ulligunde (p)lauscht” unterhält sie sich jeden Monat mit Menschen, die Berge im Kopf haben.