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Fliegen im Winter

Der Winter bringt besondere Momente in der Luft – kristallklare Sicht, ruhige Bedingungen und einzigartige Stimmungen. Gleichzeitig stellt die kalte Jahreszeit Gleitschirmpiloten vor besondere Herausforderungen. Unsere Teampiloten haben die wichtigsten Tipps für dich zusammengefasst, damit du sicher in den Winter starten kannst.

Wärmehaushalt Körper

Im Winter sinken die Temperaturen mit der Höhe schnell.  Umso wichtiger sind warme Socken, mehrlagige Kleidung und vor allem winddichte, gut isolierte Handschuhe. Der Fahrtwind verstärkt den Wärmeverlust deutlich aufgrund des Windchill-Effekts, wodurch die gefühlte Temperatur weit unter der tatsächlichen Lufttemperatur liegt. Sorge deshalb rechtzeitig für ausreichend Wärme, zum Beispiel mit Wärmebeuteln oder beheizbaren Handschuhen.

Gleichzeitig spielt der Core-Effekt eine zentrale Rolle im Wärmehaushalt: Kühlt der Rumpf aus, reduziert der Körper die Durchblutung von Händen und Füssen. Kalte Finger sind daher oft ein Zeichen dafür, dass der Core nicht ausreichend geschützt ist. Wer den Körper insgesamt warm hält, fliegt nicht nur komfortabler, sondern auch länger.

NEBEL IM WINTER

Nebel tritt in der kalten Jahreszeit häufiger auf und kann bis zum Boden reichen. Besonders Hochnebel und Talnebel können die Sicht stark einschränken und die Orientierung erschweren. Achte daher auf aktuelle Wetterinformationen und starte nur, wenn Sichtverhältnisse und sichere Landemöglichkeiten eindeutig gegeben sind. Das Durchfliegen von Nebel kann gefährlich sein, insbesondere in Hangnähe.

Tipps von Profis

Michael Maurer Testpilot

"Je nach Lichtverhältnissen kann Schnee die Tiefenwirkung und das Distanzgefühl verändern. Tipp: Den Landeplatz früh fixieren und Höhe konservativ einteilen."

Adi Geisegger Fotograf

"Durch die niedrigere Lufttemperatur im Winter ist die Luftdichte höher: Beim Start hebt man früher ab, und beim Soaren wird weniger Wind benötigt.“

Tom de Dorlodot X-Alps Veteran und Abenteurer

"Im Winter treten Abwinde oft stärker und abrupt auf als in der warmen Jahreszeit."

Schnee und Eis

Schnee in Schnallen und Karabinern kann gefrieren und ihre Funktion beeinträchtigen – ein echtes Sicherheitsrisiko. Achte deshalb darauf, dass kein Schnee in Verschlüsse gelangt und blase diesen raus. Prüfe vor dem Start auch, ob alle Leinen frei verlaufen. Sie können sich leicht in gefrorenem Schnee verhaken, was zu Startabbrüchen oder sogar zu Beschädigungen der Leinen führen kann. Rutscht der Schirm beim Start weg, lässt sich die Eintrittskante an mehreren Stellen von Hand im Schnee fixieren. Achte darauf, dass der Schnee nicht in die Kappe gelangt. Alternativ helfen Schneepins, die zum Beispiel beim PI an den dafür vorgesehenen Loops am Obersegel befestigt werden können.

Fliegen mit Skis

Vor dem Start sollten Bindungen, Befestigungspunkte und Bewegungsfreiheit sorgfältig kontrolliert werden, um Fehlfunktionen während Start oder Landung zu vermeiden. Der Start mit Skis erfordert in der Regel eine längere Startphase, da die Beschleunigung gleichmäßiger und weniger abrupt erfolgt als beim Fußstart.

Ein stabil geführter Schirm und eine ruhige, saubere Starttechnik sind dabei entscheidend.  Auch die Landephase verlängert sich beim Landen mit Skis deutlich. Plane ausreichend Auslauf ein, halte den Schirm bis zum Stillstand aktiv über dir und bereite dich auf wechselnde Schneeverhältnisse vor, um Kontrolle und Stabilität bis zum Ende der Landung zu gewährleisten.

LUFTDICHTE & TEMPERATUR

Die Luftdichte beeinflusst den Auftrieb eines Gleitschirms direkt. Kalte Luft ist dichter als warme und erzeugt bei gleicher Anströmung mehr Auftrieb. Das wirkt sich auch auf die Geschwindigkeit aus: Ein Schirm, der bei 35 °C rund 40 km/h fliegt, erreicht bei –5 °C nur noch etwa 37 km/h. Für die Praxis heisst das: Bei kalter Luft wird die Windstärke am Startplatz oft unterschätzt, was sicherheitsrelevant sein kann. Beim Soaren am Hang braucht es an kalten Tagen hingegen weniger Wind, um die Höhe halten zu können.

Picture: Picture: Michi Maurer