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INTERVIEW MIT
TOM DE DORLODOT

Über den Verzicht auf die X-Alps, GENESUNG und Perspektiven

Nachdem THOMAS de Dorlodot sich wegen einer schweren Infektion gezwungen sah, von deN Red Bull X-Alps 2025 zurückzutreten, spricht er offen über Genesung, Risiken und die tiefere Bedeutung des Fliegens. Ein Einblick in die Gedankenwelt eines modernen Abenteurers. 

Thomas, du musstest deine zehnte Teilnahme an den X-Alps absagen. Kannst du uns erzählen, was genau passiert ist, welche Folgen das für dich hatte und wie es dir heute geht? 

Im März 2024, bei den Vorbereitungen für eine Durchquerung Grönlands, hatte ich einen Unfall beim Snowkiten in Norwegen. Dabei habe ich mir das Schienbein gebrochen. Der Bruch an sich war nicht allzu schlimm, aber leider habe ich mir bei der ersten Operation eine schwere Infektion eingefangen. Das hat alles verändert. Seitdem hatte ich neun Operationen, inklusive Knochentransplantationen und langen Phasen mit starken Antibiotika. Ich arbeite intensiv an meiner Genesung, aber für ein so anspruchsvolles Rennen wie die X-Alps bin ich noch nicht ganz bereit. Es war hart, aber ich weiss: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder voll zurück bin. Mental geht es mir gut, und ich fühle mich extrem gut unterstützt. Wir schaffen das. ;-)

Wie schwer war es für dich, von einem Rennen wie den X-Alps zurückzutreten. und wie wirst du das Rennen dieses Jahr erleben?

Die X-Alps sind seit 2007 ein grosser Teil meines Lebens. Es war immer mein Traum, zehn Ausgaben zu absolvieren – deshalb fällt mir der Verzicht dieses Jahr nicht leicht. Aber ehrlich gesagt, ich hatte keine Wahl. Die Gesundheit geht vor. Ich freue mich aber darauf, das Rennen diesmal aus einer neuen Perspektive zu erleben, aus dem Hintergrund, im Austausch mit der Community, zur Unterstuetzung der anderen Athleten. Mein Blick richtet sich schon auf 2027.

Tom de Dorlodot Adventurer & Explorer

TOM DE DORLODOT IST GLEITSCHIRMPILOT, ABENTEURER UND KEYNOTE-SPEAKER. BEKANNT DURCH SEINE EXPEDITIONEN VON DEN ALPEN BIS ZUM KARAKORUM VERBINDET DER BELGIER FLIEGERISCHES KÖNNEN MIT ECHTEM ENTDECKERGEIST. MIT seinen NEUN X-ALPS TEILNAHMEN GILT TOM ALS FESTE GRÖSSE IN DER INTERNATIONALEN GLEITSCHIRMSZENE.

Was hat dir diese Zeit Über Risiko und Resilienz GELEHRT?

Ich habe während meiner ganzen Karriere mit Risiken zu tun gehabt – manchmal läuft alles gut, manchmal unterschätzt man etwas und verletzt sich. Über die Jahre bin ich vorsichtiger und methodischer geworden, besonders beim Gleitschirmfliegen und Segeln. Am Tag des Unfalls hatte ich einfach zu wenig Erfahrung mit Snowkiting, um die Bedingungen richtig einzuschätzen. Es hat mir wieder mal gezeigt, wie schnell etwas schiefgehen kann. Das Leben läuft nicht immer nach Plan, aber entscheidend ist, wie man reagiert. Ich versuche, ruhig und positiv zu bleiben. Die X-Alps haben mir das beigebracht: Solange du kämpfst, hast du nicht verloren... 

Ist Gleitschirmfliegen für dich nur ein Vorwand, um Abenteuer zu erleben? Was suchst du wirklich?

Gleitschirmfliegen ist für mich eine tiefe Verbindung zur Natur. Es geht nicht nur ums Fliegen – sondern um Freiheit, Einsamkeit, Perspektive. Da oben fühle ich mich auf die beste Weise klein. Es klärt den Kopf. Es ist eine Mischung aus Meditation und Abenteuer. Der Sport hat mir unglaublich viel gegeben: einen Job, den ich liebe, ein weltweites Netzwerk an Freunden... Es ist ein riesiger Teil meines Lebens.

Gab es einen Flug oder eine Expedition, die deinen Blick auf die Welt komplett verändert hat?

Viele meiner VolBiv-Touren, wie diejenigen durch Neuseeland, die Alpen oder die Pyrenäen, bleiben für immer in Erinnerung. Aber eine Expedition kommt mir immer wieder in den Sinn: unsere Reise mit Horacio nach Pakistan. An den Flanken des K2 zu soaren, Linien zwischen diesen gewaltigen Bergen zu ziehen – das war etwas völlig anderes. Nach so einer Erfahrung sieht man die Welt mit anderen Augen. Man wird demütig. Man erkennt, wie grossartig und schön unser Planet ist – und wie wenig man eigentlich braucht.

Snowkiting, Segeln, Entdecken… Was gibt dir das Gleitschirmfliegen, was andere Sportarten nicht tun?

Gleitschirmfliegen ist unmittelbar. Du bist Teil der Luft. Es gibt eine Reinheit dabei – nur der Schirm und du. Segeln, Freitauchen, Bergsteigen oder Snowkiting sind auch grossartig. Aber Fliegen ist das Einzige, das mir wirklich das Gefühl gibt, ein Vogel zu sein. Es ist instinktiv und sehr persönlich. Es ist meine liebste Art, komplett abzuschalten.

Gleitschirmfliegen ist eine Möglichkeit, sich tief mit der Natur zu verbinden. Es geht nicht nur ums Fliegen – es geht um Freiheit, Einsamkeit und Perspektive.

Tom de Dorlodot

Der Trend geht immer mehr in Richtung Vol-Biv, Hike & Fly und langsamere, tiefere Formen des Abenteuers. Spricht dich das an?

Absolut. Ich glaube, die Leute sehnen sich nach echten, intensiven Erfahrungen – nach etwas Ungefiltertem. Vol-Biv ist die ultimative Art, langsam und leicht zu reisen und das Abenteuer wirklich zu leben.
Man ist draussen, komplett auf sich gestellt – und das ist extrem erfüllend. Die Ausrüstung ist heute viel besser als noch vor zehn Jahren. Ich liebe die Balance: körperlich beim Wandern und Startplatzfinden, mental beim Fliegen und Linienziehen am Himmel.

Wie wählst du deine Ausrüstung für eine Expedition? Geht’s dir mehr um Leistung, Gewicht, Zuverlässigkeit oder alles zusammen?

Alles zusammen. Ich brauche Ausrüstung, auf die ich mich bei allen Bedingungen verlassen kann. Ich sage gern: „Light is right“, aber ich bin nicht extrem. Jedes Gramm zählt, aber genauso zählt auch innere Ruhe. Die richtige Ausrüstung kann den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern aumachen. Ich habe das Glück, auf viele ADVANCE-Modelle zugreifen zu können – ich habe für jede Aktivität den perfekten Schirm, und morgens kann ich einfach den passenden auswählen. Das ist ein Traum!

Du fliegst schon lange mit ADVANCE. Was schätzt du an dieser Partnerschaft besonders?

Mein erster Schirm war ein Epsilon 3. Dann kam mein erster C-Schirm, ein Sigma. Ich habe die Marke schon immer geliebt – aus vielen Gründen. Ich finde es grossartig, wie ADVANCE ständig innovativ ist, aber nie Kompromisse bei Sicherheit oder Qualität eingeht. Das Team ist authentisch und mit echter Leidenschaft an der Arbeit. Schweizer Qualität ist kein Mythos. Die Leidenschaft, das Talent, das Engagement und die harte Arbeit des Teams beeindrucken mich immer wieder. Die Ausrüstung fühlt sich an wie eine Verlängerung meines Körpers. Aber noch wichtiger ist die menschliche Verbindung, das Vertrauen. Wir teilen wirklich dieselbe Leidenschaft für Abenteuer.

Das Team von ADVANCE ist sehr authentisch und und lebt eine echte Leidenschaft für unserem Sport. Die Schweizer Qualität ist übrigens kein Mythos.

Tom de Dorlodot

Was würdest du einem jungen Piloten raten, der davon träumt, seinen eigenen Weg im wörtlichen wie übertragenen Sinn zu finden?

Fang klein an. Flieg so oft wie möglich. Hör mehr zu, als du sprichst. Es gibt keine Abkürzungen, echter Fortschritt braucht Zeit, Geduld und Demut. Aber wenn du deiner Leidenschaft folgst und nach Misserfolgen immer wieder aufstehst, wird dich diese Reise an einen unglaublichen Ort bringen.

Was kommt als Nächstes – und wo siehst du dich in zehn Jahren?

Im Moment liegt mein Fokus auf der Genesung, Zeit mit meiner Familie zu verbringen und Vorträge zu halten. Ich plane auch neue Abenteuer – zu Wasser und in der Luft. Ich bereite ein neues Expeditions-Segelboot aus Aluminium vor, es heisst WINGS, und es wird mich an viele Orte bringen – mit einer Kabine voller Gleitschirme. :-) In zehn Jahren? Ich hoffe, dass ich dann noch immer unterwegs bin, stetig dazu lerne und andere inspirieren kann, ihre Träume zu verwirklichen. Ich möchte dem Sport etwas zurückgeben – vielleicht, indem ich Hike & Fly-Reisen führe, mehr Vorträge halte oder eng mit einer Marke oder jungen Athleten zusammenarbeite.

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