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Wo Wolken Felsen umarmen

Ein Zuhause in den Dolomiten

Für Felix Wölk ist jeder Flug über den Dolomiten eine Reise durch Zeit und Elemente. Zwischen urzeitlichem Meeresboden und vulkanischem Gestein erlebt er eine Landschaft, die ständig ihr Gesicht verändert – und die seine Sehnsucht nach Freiheit immer wieder neu entfacht. Er hat deshalb „in den schönsten Bergen der Welt“ eine neue Heimat gefunden.

Kurs Süd

Es ist ein Gleitschirmspaziergang durch die Heimat, auf dem wir uns befinden – eine kleine XC-Runde, die vom Südtiroler Alpenhauptkamm in die venezianischen Dolomiten führt. Spontan, um die vom Alltag ermüdete Abenteuerseele zu beleben. Mein Wesen verlangt dabei nicht nach Kilometern und Rekorden. Das tat es auch früher nur selten. Entspannung finde ich in einem Bad von rauen Naturgewalten, bevorzugt umrahmt von visuellem Spektakel. Von meiner Wahlheimat, dem westlichen Pustertal, bedeutet das gerne „Kurs Süd“. Ein Kurs Richtung Sonne, Felsen und Überentwicklung.

Die Paresspitze

Mein Tor in die Dolomiten Das Sprungbrett dorthin ist die Paresspitze, die uns auch heute verlässlich himmelwärts katapultiert. Sie ist der Einstieg in die fantastische Welt der Ampezzaner Dolomiten. Über „der Pares“ zerren auch heute enorme Kräfte am Segel. An der Basis lockt dann in drei Himmelsrichtungen der Seelenfrieden eines Abenteurers. Heute suchen wir ihn südlich, denn die feuchte Luft des Mittelmeeres strömt in die Gebirgsstöcke. Sie befeuert das thermische System, lässt eindrückliche Wolkentürme wachsen und legt Kondensationen um die Felsen der Fanisspitzen und der Tofanen, den Felsriesen über Cortina d’Ampezzo.

„Über Wolken, Nebel und Fels finde ich die Freiheit, die mir sonst fehlt.“

Felix Wölk

Ein Spiel aus Wolken und Fels

Über, unter und neben uns bilden Wolken, Nebelschwaden und immense Felswände eine Welt, die mir viel wahrer erscheint als jene irdische, aus der wir noch vor einer Stunde mit dem Gleitschirm entflohen waren. Durch die Feuchte wird es gewittrig. Zeit, Abstand zu gewinnen.

Im Schutz der Marmolada

Unser Gleitflug nach Nordwesten führt in trockenere Luft. Die Marmolada, mit 3348 Metern der höchste Berg der Dolomiten, versperrt dem Meereswind mit ihrer Südwand den Einzug. Im Schutz der Marmolada stehen die Berge des Puez-Nationalparks. Kaum eine halbe Stunde nach dem gewittrigen Szenario zeigt sich hier eine ganz andere Welt. Geologisch gesehen eine hochinteressante: Denn bildete eben noch aufgetürmter, urzeitlicher Meeresboden die senkrechten Felsformationen über Cortina, so ist die Bergwelt nun von vulkanischem Ursprung.

Ein Wechselbad der Eindrücke

Es ist ein Charakterzug der Dolomiten, die auf geringem Raum eine überwältigende Vielseitigkeit an Naturwundern zur Schau stellen. Mit dem Gleitschirm betrachte ich sie wie kein anderer Mensch. Unseren Flug bestimmt nun der Himmel. Wir bleiben auf Distanz zu den Gewittern, die es nicht über die Zentraldolomiten schaffen, und steuern die Westwand des Heiligkreuzkofels an. Auf 3300 Meter Höhe wird es Abend. Das schräge Licht gibt der Hochebene des Sennes-Naturparks Farbe, Form und Kontrast. Die gewaltige Westwand über Corvara strahlt ihre Hitze bis nach Sonnenuntergang in die Nacht hinein.

Warum ich hier zuhause bin

Im Geradeausflug gleiten wir heimwärts. Ich kann es einmal mehr nicht fassen, was wir „so ganz nebenbei“ erlebt haben. Mir wird auch heute klar, warum ich meine Heimat in den Dolomiten gefunden habe: Ich habe jeden Tag die Möglichkeit, mit meinem Gleitschirm eine ganze Welt zu entdecken.

Die Ausrüstung

Mehr über Felix

Felix Wölk

Felix ist Gleitschirm- und Drachenflieger, Fallschirmspringer sowie Bergsportler der alten Schule. Seit zwei Jahrzehnten gehört er zu den renommiertesten Gleitschirmfotografen weltweit und ermöglicht mit seiner Flugschule Fly Felice vielen Piloten neue Abenteuer.