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Abenteuer hinter der Linse

Abheben und abdrücken

Mitfliegen, mitfiebern, miterleben: Wenn einer alles gleichzeitig macht, dann Adi Geisegger. Mit Leidenschaft und präzisem Blick für Action und Ästhetik setzt der Tiroler Profi-Fotograf die X-Alps in Szene. Sein Job ist ebenso hart und abenteuerlich wie derjenige der Athleten.

Der richtige Moment

Die Geschichten hinter Adi Geiseggers spektakulären X-Alps-Bildern, sind oft ebenso faszinierend wie die Bilder selbst. „Vorbereitung und Timing sind alles. Um ein gutes Bild zu machen, musst du den richtigen Moment schaffen. Dazu braucht es nicht nur herausragendes Können, sondern auch viel Vorbereitung: Ich trainiere für den Wettkampf fast so hart wie die Piloten selbst. Für mich ist das Teamwork: Ich gebe mein Bestes, um zeigen zu können, wie die Athleten ihr Bestes geben.“

„Ich gebe mein Bestes, um zeigen zu können, wie die Athleten ihr Bestes geben.“

Adi Geisegger

Teamwork mit Topshots

Adi und das X-Alps: Das ist die Geschichte einer langjährigen Partnerschaft die 2015 begann. Was Adi in diese Partnerschaft einbrachte, ist eine einzigartige Kombination aus Passion und Professionalität: Er versteht ebenso viel von Fotografie wie von Thermik, ebenso viel von Datenhandling wie von Storytelling. Denn beim Gleitschirmfliegen zu fotografieren und zu filmen stellt ganz besondere Anforderungen. „Du tust zwei Dinge gleichzeitig, musst dich aber voll auf eins konzentrieren. Um perfekte Bilder zu machen, musst du genau wissen, wann du die Bremsen loslassen kannst.“ 

Drohnen fühlen nicht

Zum ersten Mal wurden dieses Jahr an den X-Alps keine Helis eingesetzt. Umso wichtiger ist Adis Job als fliegender Fotograf: „Nur so ist es möglich, die Athleten auch in der Luft zu erleben.“ Ob man solche Bilder nicht auch mit Drohnen schiessen könne? Adi schüttelt den Kopf. Selbst erfahrener Drohnen-Pilot, kennt er die Pros und Cons der Drohnenkamera. „Mal abgesehen von Bildauflösung und Sicherheitsabstand gibt es Dinge, die mit der Drohne nicht machbar sind. Es geht nicht nur ums Sichtbare, es geht ums Feeling: Das Abenteuer und das Glück des Fliegens kannst du nicht von der Steuerkonsole aus einfangen.“ 

Adrenalin und Abenteuer

X-Alps ist Ausnahmezustand – auch für Adi. Er muss sich gleichzeitig mit Terminen, Kameratechnik und Thermik  auseinandersetzen: „Ich bin 100% Teil des Wettkampfs, sowohl am Boden wie in der Luft. Gleichzeitig bin ich auch 100% Teil der Content Creation.“ Viele von Adis Bildern erscheinen realtime in den Sozialen Medien. Auch bei diesen Shots ist er Perfektionist: „Ich will den Betrachter so nah wie möglich ans Geschehen mitnehmen.“ Nähe schaffen heisst dabei auch: den Blick fürs grosse Ganze behalten.

 

Das Ganze im Fokus

Von den Pre-Shootings bis zur Siegesfeier: Adi ist bei den X-Alps von Anfang bis Ende dabei. „Für mich sind die X-Alps eine grosse Story, die ich in ihrer ganzen Dramatik und Spannung erzählen will.“ Deshalb beobachtet er nicht nur Lichtverhältnisse, sondern auch das Ranking und die Formkurve der Athleten. Adi zeigt die Piloten aber nicht nur im Wettkampfmodus. Als preisgekrönter Regisseur und Kameramann gelingt es ihm auch, die Faszination des Fliegens in grossartigen Stimmungsbildern festzuhalten. Fliegen ist für ihn mehr als Action und Adrenalin – es ist auch Meditation und Magie. Wie kaum ein anderer schafft er es, mit seinen Fotos beides sichtbar zu machen.

Stories und Shots

Wenn Adi von seinem Job an den X-Alps erzählt, ist das so spannend, wie das Race selbst. Hier drei Stories hinter den diesjährigen Shots:

Abheben mit Patrick

Die Spannung am Start in Kitzbühel Hahnenkamm ist irre. Ich bahne mir einen Weg durch die Athleten, laufe zu meinem Schirm, hänge mich ein, checke noch einmal meine Kamera. Alles oder nichts! Die ersten Piloten heben bereits ab. Ich bin noch am Boden, versuche die Anspannung der Wettkämpfer festzuhalten. Neben mir startet gerade Patrick von Känel. Let’s go! Wir fliegen in den Pulk vor uns, hinein in die erste Thermik. Ich drehe mit den Piloten an die Basis und versuche die coolsten Bildausschnitte zu finden. Jetzt nur nicht aus der Thermik fallen, sonst ist’s gelaufen! Dann spirale ich wieder nach unten, um den nächsten Pulk abzufangen. Das Tempo ist hoch, Entscheidungen im Sekundentakt. Nach zwei Stunden ist alles vorbei. Ich checke meine Speicherkarten, der Puls kommt runter.

Good News für Davide

Tag 2. Seit acht Stunden bin ich am Heini-Holzer-Klettersteig unterwegs. Eiskalter Nordföhn, wenig Schlaf, schwere Ausrüstung. Ich warte auf meinen letzten Athleten heute. Laut Livetracking müsste Davide Sassudelli bald hinter der nächsten Felskante auftauchen. Ich checke noch einmal meine Karabiner, überprüfe das Framing.  „Ciao Davide!“ Er ist erleichtert, mich zu sehen. Noch aus der Bewegung schiesse ich die ersten Bilder. Dann klettere ich weiter nach oben, um neue Perspektiven zu bekommen. „Wo kann ich starten? Wie ist der Wind? Was haben die anderen gemacht?“ Ich sage Davide, dass er auf der Kuhleitenhütte supportet wird. Ihm fällt ein Stein vom Herzen. Schnell steigen wir zusammen zum steilen Starthang hoch. Böen bis 60 km/h. Davide lässt sich nicht beirren, holt den Schirm raus. Sein Supporter und er agieren wie ein eingespieltes Team. Davide legt einen perfekten Cobrastart hin. 

Sonnenaufgang mit Chrigel

Tag 6. Der Wecker klingelt: 2 Uhr. Bald brechen wir auf. Vor uns: 1400 Höhenmeter, weglos durchs Gelände. Unser Ziel: Chrigel Maurer und der Sonnenaufgang. Chrigel hatte mir am Vortag noch seinen Track durchgegeben. Er führte 1200 Meter in der Fallline nach oben. „Wir treffen uns am Ende der Linie“, war sein Kommentar. Die ersten Kilometer legen Lorenzo und ich mit dem E-Bike zurück. Kamera, Linsen und unsere PI3 haben wir auf dem Rücken. Unten im Tal liegt Nebel, über uns der Sternenhimmel; um uns vollkommene Stille. Wir haben rund eine Stunde Vorsprung. Genug Zeit, um bei Sonnenaufgang am richtigen Ort zu sein. Bald sehen wir die Stirnlampen von Chrigel und seinem Supporter. Sie kommen schnell näher. Ich gehe in Position, aber mir fehlen 50 Höhenmeter bis zum perfekten Shot. Ich laufe hoch, positioniere mich erneut. Jetzt klettert die Sonne über den Horizont. Ich lasse Chrigel ins Bild laufen. Klick. Klick. Klick. Perfekt. Dann weiter mit den beiden zum Gipfel. Chrigel legt seinen Schirm aus. Er schaut auf die Uhr und wendet sich mir zu: „5:59 Uhr – es war mir eine Ehre, Adi.“ Lorenzo und ich packen unsere Schirme aus und gleiten ins Tal.

Mehr über Adi

Adi Geisegger

Adi fliegt seit den frühen 1990er Jahren Gleitschirm und Drachen. In den vergangenen Jahren ist der Fotograf und Filmer auch immer öfters mit dem Paramotor anzutreffen.